Wie wäre es in einer idealen Welt zu leben? Diese Frage stellt sich jedem Mensch. Für Künstler kommt jedoch ein weiterer Aspekt hinzu: die Frage, ob und wie man denn von und mit seiner Kunst leben kann.
Wie viel Energie, Aufmerksamkeit, Einsatz von Zeit und Geld, Anstrengung, Fleiß und Frust muss, soll, darf in die künstlerische Arbeit einfließen? Unter welchen Bedingungen entsteht dieses Ding, das sich Kunst nennt?
Die Arbeiten der drei zunächst augenscheinlich sehr unterschiedlichen Künstler umkreisen recht ähnliche Vorstellungen und Ideen. Der Holzbildhauer Horst Weber (Jahrgang 1932), der im Berufsleben Architekt war, der in Ulm und Umgebung bekannte und als Steinmetz arbeitende Künstler Richard Géczi (Jahrgang 1979) und der in Ulm und Umgebung arbeitende, als Kunsterzieher tätige Christian Greifendorf (Jahrgang 1976) – sie ringen um die Frage nach den Produktionsbedingungen von Kunst.
So hat Horst Weber aus rohem Holz abstrahierend gesägte „Protestler“ erschaffen, die bereits bei Projekten im Zusammenhang mit der B10-Neubaustrecke in Geislingen gezeigt wurden und eine „Tour“ durch verschiedene Rathäuser des Filstals hinter sich haben. Dem in der Zeit des Wiederaufbaus als Architekt tätige Horst Weber war zudem die freie, schöpferische, materialgebundene Arbeitsweise wichtig, die sich erst nach Ende seines Berufs ergeben konnte und sich im sehr von Regeln, Normen und gesetzlichen Vorschriften geprägten Arbeiten in der Architektur kaum so spielerisch und materialverliebt entfalten konnte wie in der Holzbildhauerei. Auch das gesellschaftliche Engagement ist Weber ein wesentliches Anliegen der Kunst.
Richard Géczi entwickelt von den dreien die politischsten Arbeiten, die direkt auf politische Entwicklungen Bezug nehmen. Seine Arbeit Nostradamus 2.0 spielt mit Zitaten des Europaabgeordneten Martin Sonneborn, der angeblichen Spaßpartei „Die Partei“. Für die Arbeit werden humorvolle Prognosen enthüllt, die das politische Geschehen des Europaparlaments karikieren und kommentieren. Eine sehr direkte Kritik ist in den aus einer eigens entwickelten Mischung aus (echtem) Urinstein und Epoxydharz hergestellten, klassisch wirkenden Reliefs von Politikern des rechten Spektrums verwirklicht. Die Verbindung von politischer Haltung, klassischem Können des Steinmetz und lapidarer Punkattitüde verbinden sich hier zu einem sehr realitätsbezogenen Werk.
Christian Greifendorf studierte klassische Malerei und erfuhr in England viel über Konzeptuelle Kunst. Zwei wesentliche Fragen stellen sich ihm: Wie kann man aus unverkäuflichen, sperrigen Arbeiten neues entstehen lassen, das mehr ist als das Fragment des vorausgegangenen Werkes, und zweitens: Wie kommt der Künstler bei der Motivsuche von der eigenen Welt des inneren Elfenbeinturmes in die Gefilde der anfassbaren Wirklichkeit des Tafelbildes? Wie kann aus Traum und idealer Vorstellung von künstlerischer Berufung ein Leben in der Wirklichkeit in einer eben nicht perfekten Welt geschaffen werden, das stets oszilliert zwischen Anpassung an die realen Verhältnisse und Idealvorstellung des frei schaffenden, unabhängigen Künstlers?
Allen drei Positionen ist eines gemeinsam: Sie haben eine deutliche Vorstellung davon, was nicht ideal ist, was nicht ihrer Vision vom richtigen Leben des frei arbeitenden Künstlers entspricht, und sind auf der Suche, dieser Unbehaglichkeit Ausdruck zu verleihen oder Abhilfe zu schaffen. Ob diese Beschäftigung dann die politische Bühne, die persönliche Situation oder das Lebensumfeld betrifft, sind nur Positionen auf dem weiten Spektrum der kommunikativen Seite der Kunst, die auch über diese Fragen ihren Platz verortet.
Vereinfacht: Es geht um die Haltung der Kunst und des Künstlers gegenüber der Welt.
Termine & Öffnungszeiten:
Wie wäre es in einer idealen Welt zu leben? Diese Frage stellt sich jedem Mensch. Für Künstler kommt jedoch ein weiterer Aspekt hinzu: die Frage, ob und wie man denn von und mit seiner Kunst leben kann.
Wie viel Energie, Aufmerksamkeit, Einsatz von Zeit und Geld, Anstrengung, Fleiß und Frust muss, soll, darf in die künstlerische Arbeit einfließen? Unter welchen Bedingungen entsteht dieses Ding, das sich Kunst nennt?
Die Arbeiten der drei zunächst augenscheinlich sehr unterschiedlichen Künstler umkreisen recht ähnliche Vorstellungen und Ideen. Der Holzbildhauer Horst Weber (Jahrgang 1932), der im Berufsleben Architekt war, der in Ulm und Umgebung bekannte und als Steinmetz arbeitende Künstler Richard Géczi (Jahrgang 1979) und der in Ulm und Umgebung arbeitende, als Kunsterzieher tätige Christian Greifendorf (Jahrgang 1976) – sie ringen um die Frage nach den Produktionsbedingungen von Kunst.
So hat Horst Weber aus rohem Holz abstrahierend gesägte „Protestler“ erschaffen, die bereits bei Projekten im Zusammenhang mit der B10-Neubaustrecke in Geislingen gezeigt wurden und eine „Tour“ durch verschiedene Rathäuser des Filstals hinter sich haben. Dem in der Zeit des Wiederaufbaus als Architekt tätige Horst Weber war zudem die freie, schöpferische, materialgebundene Arbeitsweise wichtig, die sich erst nach Ende seines Berufs ergeben konnte und sich im sehr von Regeln, Normen und gesetzlichen Vorschriften geprägten Arbeiten in der Architektur kaum so spielerisch und materialverliebt entfalten konnte wie in der Holzbildhauerei. Auch das gesellschaftliche Engagement ist Weber ein wesentliches Anliegen der Kunst.
Richard Géczi entwickelt von den dreien die politischsten Arbeiten, die direkt auf politische Entwicklungen Bezug nehmen. Seine Arbeit Nostradamus 2.0 spielt mit Zitaten des Europaabgeordneten Martin Sonneborn, der angeblichen Spaßpartei „Die Partei“. Für die Arbeit werden humorvolle Prognosen enthüllt, die das politische Geschehen des Europaparlaments karikieren und kommentieren. Eine sehr direkte Kritik ist in den aus einer eigens entwickelten Mischung aus (echtem) Urinstein und Epoxydharz hergestellten, klassisch wirkenden Reliefs von Politikern des rechten Spektrums verwirklicht. Die Verbindung von politischer Haltung, klassischem Können des Steinmetz und lapidarer Punkattitüde verbinden sich hier zu einem sehr realitätsbezogenen Werk.
Christian Greifendorf studierte klassische Malerei und erfuhr in England viel über Konzeptuelle Kunst. Zwei wesentliche Fragen stellen sich ihm: Wie kann man aus unverkäuflichen, sperrigen Arbeiten neues entstehen lassen, das mehr ist als das Fragment des vorausgegangenen Werkes, und zweitens: Wie kommt der Künstler bei der Motivsuche von der eigenen Welt des inneren Elfenbeinturmes in die Gefilde der anfassbaren Wirklichkeit des Tafelbildes? Wie kann aus Traum und idealer Vorstellung von künstlerischer Berufung ein Leben in der Wirklichkeit in einer eben nicht perfekten Welt geschaffen werden, das stets oszilliert zwischen Anpassung an die realen Verhältnisse und Idealvorstellung des frei schaffenden, unabhängigen Künstlers?
Allen drei Positionen ist eines gemeinsam: Sie haben eine deutliche Vorstellung davon, was nicht ideal ist, was nicht ihrer Vision vom richtigen Leben des frei arbeitenden Künstlers entspricht, und sind auf der Suche, dieser Unbehaglichkeit Ausdruck zu verleihen oder Abhilfe zu schaffen. Ob diese Beschäftigung dann die politische Bühne, die persönliche Situation oder das Lebensumfeld betrifft, sind nur Positionen auf dem weiten Spektrum der kommunikativen Seite der Kunst, die auch über diese Fragen ihren Platz verortet.
Vereinfacht: Es geht um die Haltung der Kunst und des Künstlers gegenüber der Welt.
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